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Münstersche Zeitung, 18. Januar 1936Weg und Werk eines westfälischen Künstlers Zur Theo - Brün - Ausstellung des Westfälischen Kunstvereins im Landesmuseum In Kreisen, die das westfälische Kunstschaffen mit Aufmerksamkeit verfolgen, schätzt man natürlich lange schon Theo Brün als eine der hervorragendsten Künstlergestalten im Raum Westfalen; wir sind der Überzeugung, daß sein Name auch in später Zukunft noch unter wenigen als einer der bedeutendsten seiner Zeit genannt werden wird. Daß dieser Mann aber 5O Jahre alt werden mußte, ehe er einer breiteren Öffentlichkeit auffiel, was erst im Laufe der letzten Zeit geschehen sein dürfte, das ist beinahe schlimm. Die MZ hat nichts unterlassen, bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf die in vieler Hinsicht einmalige Erscheinung Theo Brüns eindringlich hinzuweisen. Eine Reihe von Ausstellungen der letzten Jahre, in denen der Künstler trotz seinem großen Können immer mit echt westfälischer Bescheidenheit auftrat, boten Anlaß dazu. Wenn einer zum ersten Male vor die Werke dieses Künstlers hintritt, dann könnte er auf den Gedanken kommen, daß hier Originalität um jeden Preis produziert werden soll, daß dieses Künstlers gewiß oft ungewöhnliche Motivwahl und -behandlung irgendwelchen launenhaften Einfällen, der Freude an kuriosen Darstellungsmöglichkeiten entsprungen sei. Wer aber das Schaffen von Theo Brün eine Reihe von Jahren verfolgt und dazu einiges Persönliche über ihn erfahren hat, der weiß, wie fremd ihm innerlich solche Originalitätssucht ist. Wenn man gesehen hat, wie Brün seine Gestaltungseigenart in immer neuen und interessanten Abwandlungen beizubehalten vermochte, dann glaubt man ihm zuversichtlich, daß er aus innerer Eingebung, Ehrlichkeit und unbedingter Werktreue schafft. Seine Werke sind oft kühne, aber immer hohen technischen Anforderungen genügende Übersetzungen (von) den Meister tief ergreifenden Vorstellungen in nackte plastische Wirklichkeit. Der Persönlichkeitsausdruck des Künstlers ist deutlich zugleich Wesensausdruck des Westfälischen überhaupt: starke und gesunde Realistik in der Gesamtauffassung eines Werkes bei tiefer Nachdenklichkeit und häufig auch Versponnenheit, wozu bei diesem Meister der Holzplastik erfreuliche bildhauerische Echtheit und hohes technisch - formales Können hinzukommen. Es ist kein Zufall, daß Brün wie viele seiner westfälischen Zunftgenossen mit Vorliebe in Eichenholz schneidet. Sie erblicken im Fleisch des Holzes den natürlichsten, lebendigsten Werkstoff für die künstlerische Nachbildung alles Lebens und schätzen im Eichenholz dazu ein besonders kerniges Material, das ihnen auf heimatlichem Boden zuwächst. Wie ernst der Künstler auch im Formalen seine Aufgabe nimmt, ersieht man am besten aus der unvergleichlichen Ausnutzung der Materialmöglichkeiten, der Maserung des Holzes, deren Zeichnung immer da sitzt, wo sie hingehört. Für die vielen, die über die eigenartige Künstlerpersönlichkeit Theo Brüns noch wenig wissen, kann von Wert sein, was Brün an erfreulich offenem und eindeutigem. Urteil über sich selbst, über sein Werden und seine Kunstanschauung kürzlich in einer Korrespondenz mit dem Schreiber dieser Besprechung niederlegte: "...... Ich habe Zeit meines Lebens in Opposition gestanden gegen die ewig wechselnden Programme, Moden und Stile und gegen das besonders in Deutschland so breite Nachläufer- und Nachahmertum fremder und vergangener Stilarten. Es ist kein wesentlicher Unterschied, ob ein Jüngling Picasso und dessen Konjunktur für sich benutzt, oder Caspar David Friedrich, wenn der gerade an der Reihe ist. Auch habe ich jene Versuche, afrikanische und exotische Stile unserem Wesen aufzupfropfen, abgelehnt. Sie sehen, das ist ein negatives Programm. Positiv heißt es so wie bei allen ordentlichen Künstlern, seine Sache so gut wie möglich zu machen. Alles andere hat man ja wohl nicht in der Hand. Der Mittag, Berlin 5. April 1939Das Schaffen des Sauerlandes Bildende Kunst in Hagen ......Eine große Bronzefigur "Rüpel" ist ein typisch westfälischer Beitrag von Gustav M ü 1 1 e r - B 1 a n k e n- s t e i n. Sie erinnert an einen Künstler, der leider nicht vertreten ist (auch nicht in der repräsentativen Druckschrift, die das Museum zusammen mit dem Westfälischen Heimatverein herausgegeben hat): T h e o B r ü n, den Hagener Plastiker und Graphiker. Seine an den alten Meistern geschulten Radierungen sind für die südwestfälische Landschaft so kennzeichnend, daß sie auf einer Ausstellung, die diesen Bezirk umfassen möchte, schlechthin nicht fehlen dürften. Und auch die Plastiken vermögen eine Seite des westfälischen Menschen aufzuschließen, seine Imaginationskraft nämlich, die auch dann noch, wenn sie spintisierende Gänge einschlägt, für Mensch und Landschaft charakteristisch bleibt....... Wilhelm Seringhaus Nationalzeitung; 6.3.1942Arbeiten des westfälischen Bildschnitzers und Malers Theo Brün Abbildungen der Plastiken "Mutter und Kind" und "Handlanger" Der Westfale Theo Brün, dessen plastische Arbeiten durch ihren Ideenreichtum und ihre eigenwillige Formung große und wohlverdiente Aufmerksamkeit in den verschiedensten Ausstellungen erregten, ist ein ungemein sorgsam und gewissenhaft schaffender Künstler, der seine Verbundenheit mit seiner Heimat in seinen fest und gedrungen geformten Holzplastiken nicht verleugnen kann. Er ist unzweifelhaft ein bedeutender Künstler und ernsthaft ringender Gestalter, der leider viel zu weit abseits von dem öffentlichen Kunstmarkt steht, obgleich er die Fähigkeit hat, zur Kunst unserer Zeit originelle und wertvolle Aufgabenlösungen beizutragen. Daß er auch ein feinsinniger und kultivierter Maler und Zeichner ist, haben viele seiner Blätter, die anläßlich der Westfälischen Kunstausstellungen in Dortmund gezeigt wurden, bewiesen. Nationalzeitung: 12. Mai 1942 : Abbildung "Fischerboote auf dem Niederrhein" ohne Kommentar Nationalzeitung: 31. Mai 1942 : Abbildung "Motiv aus dem Industriegebiet" ohne Kommentar
Generalanzeiger Wuppertal; 3.6.1942Der Radierer Theo Brün Die Wuppertaler Kunstfreunde kennen Theo B r ü n = Hagen als Bildschnitzer vor: eigenartiger Formgebung durch die aus Holz geschnitzten durchbrochenen Türme, in denen sich Menschen bewegen und durch seine saturnischen Frauengruppen, die er vor einigen Jahren bei uns zeigte. Jetzt lernt man in ihn in einer großen Kollektion im K u p f e r s t i c h k a b i n e t t d e s S t ä d t. M u s e u m s E l b e r f e l d als Radierer kennen. Als solcher liebt er das enge und krause Flechtwerk der Striche, mit denen er seine Landschaften aus dem Sauerland, von der Lenne und aus der Hagener Umgebung aufbaut. Das dichte Gewirk seiner Platte bringt vor allem die Geheimnisse des Waldes zutage und ist auch der Industrielandschaft gut angepaßt. Besonders schön sind die Blätter "Kirche in Eilpe" und die "Winterlandschaft bei Hagen". Brün folgte auch den Spuren des Krieges und brachte aus Holotowka in Galizien, aus Noyon, Aniche und Thiecourt charakteristische Motive heim. Am Rande sammelte er schnell mit der Nadel festgehaltene Soldatentypen beim Kartenspielen und im Cafe. Der Bildhauer Brün, der als Maler mit einem eindringlichen Selbstbildnis (Oel) und Aquarellen von Winterlandschaften auf der Großen Sauerländischen Kunstausstellung 1942 in Hagen hervorragende Plätze belegt, beweist nun mit den graphischen Blättern eine selten anzutreffende Vielseitigkeit. - Im gleichen Kabinett hat W. v o n H o w a l d kräftige und z.T. getönte Pinseltuschzeichnungen aus Rothenburg ob der Tauber ausgestellt, die mit geringem Aufwand an Mitteln das Wesentliche dieser mittelalterlichen Stadt ausdrücken. Dr. Ludwig Lindner 1944 Westdeutsche Graphik der GegenwartZu einer Ausstellung in Düsseldorf Die Gesellschaft zur Förderung der Düsseldorfer bildenden Kunst -Schirmherr: Gauleiter Friedrich Karl Florian - hat in der Folge ihrer traditionellen Frühjahrs- und Herbstausstellungen diesmal allein der Graphik die Ehre gegeben.... " Die Düsseldorfer haben der graphischen Auslese eine imponierende Huldigung er-wiesen durch die Herausgabe eines graphisch ausgezeichneten Katalogs. Das Vor-wort schrieb der Ausstellungsleiter, Maler Fred Kocks, Kustos der städtischen Kunsthalle. ...... " " , ..in Hamm ist auch Theodor Brün geboren.(1885) Uns beschäftigten des öfteren sei-ne plastischen Schnitzereien, die sich nicht auf das schlechthin Figürliche "be-schränken", sondern in das Szenische vorwagen. Zur Düsseldorfer Ausstellung hat Theodor Brün Zeichnungen geschickt. Frau, Kind und Greis sind da in atmender Ru-he erschaut, im Schlaf und in der selbstvergessenen, das Selbst doch zuverlässig aufzeigenden Hingabe an den Gedanken. Das zeichnerische Bildnis wird hier be-deutend. Es gewinnt eine andere Bedeutung freilich, als sie ein äußerlich kostspieli-ges Porträt gewichtig in Anspruch zu nehmen pflegt. Indes, seien wir vorsichtig mit unserem Vergleich! Würden alle knalligen und blinkenden Porträte, die sich damit befrieden, ungezählte Quadratmeter Leinwand zu verzehren, würden sie anfangen, sich dem Gedanken hinzugeben: die sonderbarsten Ausgeburten eines phänomenal verspäteten Jugendstils wären nichts dagegen. Lassen wir sie! Solch ein Blatt jeden-falls wiegt Leben und Tod, kindliche Phantasie und Erwägungen des Alters, die das Haus bestellt haben wollen. Vom Antlitz des Menschen, das gar nicht betont charak-teristisch sein möchte, überträgt sich das in die Landschaft, oder die Landschaft zeichnet es mit dem Geist, der in ihr waltet, in ihr plant und baut, in das Antlitz des Menschen, das erwartungsvolle, das erlebende, scheinbar stillstehende und das entsinkende Antlitz. Theodor Brüns Landschaften sind mit dem figürlichen Konterfei sich einig in der Handschrift. Ja sie müssen - unkompliziert - schon hinter der Stirn des Sinnenden da sein. Unkompliziert! Doch wie schwer ist es, sie zu übersetzen und ihnen das Leichte, Schwebende nicht zu nehmen, vielmehr erst recht zu verleihen. Otto Coester,.,Hermann Schardt.;Wernher Witthaus |
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