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Theodor Brün 1885 - 1981Geboren in Hamm / Westfalen als erstes von insgesamt 9 Kindern. Der Vater ist dort ein angesehener Kaufmann. 1892 verzieht die Familie nach Essen, wo Theodor junior zur Schule geht und in Zeichnen "mangelhaft" bekommt. 1900 übernimmt der Vater Steinbrüche in der Nähe von Dillenburg, die Familie siedelt um, und die Kinder kommen in Dillenburg ins Gymnasium, wo die Zensur in Zeichnen plötzlich auf "sehr gut" springt. Die ersten Zeichnungen stammen zumeist aus Dillenburg, wo er 1905 das Abitur besteht, einige wenige seltsamerweise aus dem Jahre 1904 aus Essen. 1905-1906 studiert er Jura in München und besucht nebenbei ein Privatmalschule. 1906 gibt er das Jurastudium offiziell auf und besucht 1 Semester lang die Radierklasse bei dem damals berühmtesten Radierer Peter Halm. Von den für die Aufnahmeprüfung erforderlichen Nachweisen über das zeichnerische Können liegen einige Proben vor. 1907 zum Wintersemester wollte er eigentlich nach Karlsruhe, doch der Professor erkrankt und stirbt, so daß er mit einem Freund nach Paris geht, um dort u.a. an der Academie Julien zu arbeiten.
Als die geldlichen Zuwendungen plötzlich gestoppt werden, sieht er sich in einer ziemlich ausweglosen Situation. Die Eltern wohnen zu diesem Zeitpunkt in Lüdenscheid, und er ist wohl auch des öfteren dort, immerhin zeugen einige Zeichnungen und Bilder aus dieser Zeit davon. Sobald die Jahreszeit es erlaubt, ist er wieder in München bzw. in Bruck. In München macht er die Bekanntschaft u.a. von Alfred Reich, dessen Angebot er vermutlich wahrnimmt, mit ihm und einigen seiner Studenten und Studentinnen im Sommer 1911 nach Kallmünz zu gehen, um dort auf einem Bauernhof zu arbeiten unter günstigeren Bedingungen als in der Großstadt. Im Winter finden wir ihn dann wieder in der Radierklasse bei Halm, wo er bis zum Sommer 1912 bleibt. Die Eltern sind inzwischen nach Hagen /Westfalen gezogen und haben Platz, so daß er hier arbeiten kann. Aus dieser frühen Zeit liegen nur wenige Zeichnungen vor, oder es sind solche, die keine Jahresangabe tragen, aber aus dieser Zeit stammen könnten. In Hagen bekommt er Kontakt zu Christian Rohlfs, mit dem und dessen Schüler Walter Bötticher er im Frühjahr/Sommer 1914 bei Erdmann/Jennitzer in der Kampstraße eine gemeinsame Ausstellung bestreitet. Darüber beginnt der Krieg. Von Anbeginn bis zum letzten Tage ist er Soldat, immer an der Front. Aus diesen Jahren stammen sehr genaue Berichte über Ereignisse, sowie eine Fülle von Kameradenportraits, Landschaftszeichnungen und Radierungen. Am Ende des Krieges hat er das Leutnantspatent und beide EKs, die sicherlich nicht beim Zeichnen erworben wurden. Ab 1919, als der Vater mit Unterstützung der Kinder in Emst, einem Außenbezirk von Hagen, ein kleines Haus erworben hat, arbeitet er dort in seinem Atelier und in der zu Fuß erreichbaren Umgebung.
Aus den Jahren bis 1928 stammen die meisten Zeichnungen, Aquarelle und Ölbilder aus Hagen, Delstern und dem Volmetal. Die wirtschaftliche Lage ist alles andere als gut, aber da es vielen so geht, erwähnt er das nur ein einziges Mal in einem Brief an seinen Zwillingsbruder Arnold. aber da sehr deutlich und ohne jede Beschönigung. Freund Will Lammert aus München, der sich auch in erreichbarer Nähe befindet, später jedoch nach Essen geht, wollte aus den gleichen Gründen einen Bauernhof bei Reichenhall kaufen und bewirtschaften. Theodor wird dringend dort erwünscht, und so geht er dorthin: am Thumsee war es - ein wunderschöner Sommer mit ausschließlich viel bäuerlicher Arbeit und einem Desaster am Schluß. Lammert sollte übers Ohr gehauen werden, mußte aufgeben und kommt gerade noch mit einem blauen Auge davon. Theodor ist dann zunächst in Hagen, wo er mit dem "Hagenring" zusammenkommt und allgemein Fuß zu fassen versucht. Im Sommer 1924 folgt er einer Einladung von Karl Vogt und dessen Frau Hedwig nach Wolfsberg am Chiemsee und - als Vogt von dort wieder wegziehen muß - nach Berlin, wo er eine Zeitlang in dessen Atelier mit arbeiten kann. In Berlin bekommt er mehr durch Zufall Kontakt mit dem Furcheverlag, der seine Illustrationen zu Tolstois Geschichten verlegt. Außerdem schließt er sich der Sezession an, weil ihm das Verharren in Traditionen bei anderen Vereinigungen gegen den Strich geht. Verschiedene Male erhält er die Möglichkeit, in der Akademie in Berlin auszustellen, wozu er jedesmal die Genehmigung von Liebermann erhalten muß. Bei Hapke & Schmidt dann bekommt er eine große Ausstellung, die ziemlichen Widerhall findet, aber wie gewöhnlich wenig an Verkäufen nach sich zieht. Solange es ihm wirtschaftlich einigermaßen möglich ist, arbeitet er also in Berlin, kommt nach Hause hin und wieder, bis er schließlich ab 1926/27 die meiste Zeit in Hagen verbringt. Hier hatte er seine spätere Frau kennen gelernt. Aus dieser Zeit stammt auch ein Stoßseufzer, als er zum ersten Male in seinem Leben Bilder von Renoir zu sehen bekommt: "Wenn ich so malen könnte..!" Immerhin erstaunlich, denn Renoir war ja schon längere Zeit ein Begriff, aber es gab wohl keine Drucke oder Veröffentlichungen in Deutschland. Im Januar und Februar 1928 weilt er in Paris. Die Anzahl der aus diesen wenigen Wochen stammenden Zeichnungen ist so groß gewesen, daß er - nach vorsichtiger Schätzung - in einem unvorstellbaren Tempo gezeichnet haben muß, selbst wenn man davon ausgeht, daß er nur wenig geschlafen haben mag. Hier kommen ihm die Erfahrungen im Zeichnen aus den vier Jahren Krieg zunutze. Diese Zeichnungen wie auch die aus dem "Wartesaal", die aus der gleichen Zeit und bis in die Mitte der dreißiger Jahre stammen, zeigen sein Können in der klarsten Weise. Viele sind Jahre später koloriert worden, manche gleich an Ort und Stelle, aber das sind nur sehr wenige; denn Topf, Pinsel und Farbkasten hatte er nur selten bei sich, wenn er von außerhalb mit dem Zug vom Malen kam, einen Zeichen- oder Skizzenblock und einen Bleistift jedoch fast immer, manchmal auch einen Federhalter und Tuschfläschchen. 1928 wird er von der Vereinigung "junges westfalen" zum Mitglied gewählt, was einer Art Ehrung gleichkommt. Der Leiter dieser Vereinigung, Dr. Ossenberg, wird für ihn mehr als ein Freund, er ist Helfer in der Not, Vermittler und Förderer bis zu seinem Tode vor 1937, dem Jahr der Entartung, die er sicher nicht verstanden, sondern eher schon vehement bekämpft hätte. Das Grabkreuz stellt Theodor Brün her. Bei einer Ausstellung des VdKuK (Verein der Künstler und Kunstfreunde) wird er kurz vor Beendigung dieser Ausstellung Zeuge einer gegen die Interessen aller handelnden Absprache zwischen Mitgliedern und einem Außenstehenden und tritt als Konsequenz davon aus der Vereinigung aus. Einige Jahre später, als er durch Dr. Ossenberg gebeten wird, doch - gewissermaßen ausnahmsweise - mit auszustellen, trifft es sich, daß die damaligen Leute auch da sind, und da ist der Eklat vorprogrammiert. Das sogenannte "Ehrengericht" welches für solche Fälle gedacht war, besteht aus den Angeschuldigten, so daß es von vornherein klar ist, was kommen wird. Es mutet an wie ein Treppenwitz der Weltgeschichte, daß ausgerechnet im dritten Reich die Angelegenheit von anderer Seite ohne jegliches Zutun seinerseits aufgegriffen wird, die seinerzeit Beschuldigten rausfliegen, einer sogar aus dem BdA, und Theodor Brün in allen Ehren zum Wiedereintritt quasi gebeten wird. Im November 1928 ist Hochzeit, die aber nicht in Hagen stattfindet, sondern in Erfurt, wo seine Frau als Lehrerin eine Stelle hat. Bis zu einer eigenen Wohnung jedoch vergeht noch eine Weile.
Als das Haus seiner Eltern in Emst bezogen wurde, wurde für die Treppe ein Treppenknauf benötigt. Dieser Treppenknauf wird seine erste "Holzplastik". In den Jahren bis 1930 entsteht eine Vielzahl von Holzplastiken, meistens aus Eichenholz, von denen noch einige erhalten sind. Manche sind dem Krieg zum Opfer gefallen in Berlin, in Darmstadt, in München, Bremen, Elberfeld, Hannover und Hagen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Jahre um 1930 sind überall schlimm, und ihm geht es nicht besser. Zeitweise geht er "hausieren" mit Zeichnungen und Radierungen, um überhaupt etwas an Geld aufzutreiben. Die diesbezüglichen Erfahrungen beschriebt er in Briefen. Sie sind sehr deutlich. In Berlin leben Freunde, und ab und zu weilt er für kurze Zeit dort. So kommt es, daß er auch den Auftrag für ein Grabmal bekommt, als der Mann einer Freundin tödlich verunglückt. Dieses Grabmal wird 1932/33 in Berlin gegossen und erregt Aufsehen. Es wird - wie manches andere - 1946 geklaut oder zerstört. Der engste Schulfreund, Wilhelm Loew, der als Theologe in Trarbach weilt, gibt ihm den Auftrag für ein Ehrenmal in der dortigen Kirche, welches dann 1931 am Ort entsteht. Aber Wilhelm Loew muß auch die Konsequenzen aus der Politik ziehen und verzieht schließlich mit der ganzen Familie nach Graz, von wo er erst nach dem Krieg wieder nach Deutschland zurückkehrt. Zwischen ihm und Theodor Brün gibt es ein Leben lang Dispute, wodurch letzten Endes die zahlreichen Zeichnungen, Radierungen und Plastiken christlichen Inhalts oder Hintergrundes inspiriert werden, und in denen er sich mit den Inhalten auseinandersetzt. Durch Loews lernt er auch die Familie von Dr. Stoevesandt, dem späteren Ehrenbürger der Stadt Bremen, kennen, mit der ein sehr enger Kontakt bis zu seinem Tode besteht. Stoevesandts besaßen zahlreiche kleinere Plastiken und Radierungen. Ein Großteil davon ist nach dem Tode der Eltern von den "Kindern" wieder zurückgegeben worden. - Langsam aber stetig bessert sich die künstlerische Situation, d.h. er wird in zunehmend mehr Ausstellungen vertreten, es gibt sogar Stimmen, die das Niveau mancher Ausstellung einzig und allein der Qualität seiner Exponate zuschreiben, es scheint also aufwärts zu gehen. 1930, 1932 und 1934 kommen Söhne zur Welt, die Familie wächst und damit die Verantwortung im finanziellen Bereich. Seine Frau arbeitet auch, als Lehrerin. In Berlin gibt es Aufträge, in Hagen ab und zu, schließlich sind im Jahre 1934 gleich fünf Ausstellungen zu bedienen: Düsseldorf, Hagen, Hamm, Münster und Hannover. Die letztere findet in der Kestner-Gesellschaft statt - die letzte übrigens bis nach 1945 - wo er, wieder einmal mit Rohlfs zusammen ausstellt. Trotzdem aber reichen die Einkünfte durch gelegentliche Verkäufe nicht für die regelmäßigen Bedürfnisse einer Familie aus. So nimmt er die Gelegenheit wahr, in Kasernen Wandbilder anzubringen, von denen einige Entwürfe noch vorliegen. Dabei lernt er u.a. den Kollegen Kuhmichl kennen, dessen Situation genauso wenig beneidenswert ist wie die seine. Der Briefwechsel gibt darüber Auskunft. Bis Ende 1936 kommt nun zwar regelmäßig Geld ein, aber die Zeichen der Zeit stehen nicht auf Schönwetter. Die Gleichschaltung hat begonnen, die Vereinigungen sind alle aufgelöst, und die Ausstellungsbedingungen werden rigider gehandelt. Auf der Ausstellung "Westfront 36" wird eins von drei Schnitzwerken (die hl. 3 Könige) entfernt, von Rohlfs alles. Verschiedene Radierungen, die den Richtlinien von München - die übrigens keiner kennt - nicht entsprechen, werden zurückgewiesen. 1937 wird in München alles zurückgewiesen - erst mal -, dann aber erscheint der "Schauspieler" , der einige Jahre im Foyer des Hagener Theaters gestanden hatte, urplötzlich auf der "Entarteten" unter den Arkaden, von wo er spurlos verschwindet. Das gleiche Schicksal widerfährt den Schnitzwerken "Noli me tangere" und "Zwei gegen einen" aus dem Osthausmuseum in Hagen. Die große Holzplastik "Lobgesang" wird von Hamm nach Berlin beordert und dort beim Auspacken sofort von HJ zerstört. Seltsam ist nur, daß auch Landschaftsradierungen "entartet" sind, was aber nicht hindert, daß Baldur von Schirach persönlich davon für eine Ausstellung aussucht, die zur gleichen Zeit wie die "Entartete" in München gezeigt wird und für "Propagandazwecke" nach Florenz und Wien geschickt wird. Offizielle Aufträge kommen so gut wie keine, dazu aber ein Streit mit dem damaligen Museumsleiter, der offensichtlich für diese Tätigkeit ungeeignet, weil überfordert, aber Parteimitglied ist, so daß die Blockade um ihn herum nur wenig Türen offen läßt. Eine dieser Türen ist der damalige Leiter des Museums in Hamm, Bänfer, der ihm immer mal wieder die Möglichkeit gibt, trotz Verbotes dort auszustellen. Und ab und zu wird auch mal etwas verkauft. In Hamm scheint man nicht so genau hinzusehen, ob die Verbote auch alle eingehalten werden. Mit Bänfers genauso wie mit der Familie Kätelhön bekommt Theodor Brün immer engeren Kontakt, weil beide zu den Menschen gehören, die seine Ideen und Anforderungen an einen perfekten Druck von den Kupferplatten nachvollziehen und verwirklichen können mit einer ansonsten kaum zu findenden Ruhe und Freude. Sie verbindet nicht nur reine Mitstreitersympathie, vielmehr sind es tiefe freundschaftliche Bande zwischen Gleichgesinnten. Aber auch sie können nur sporadisch helfen, und so unternimmt er - allerdings erst 1939 kurz vor Kriegsbeginn - den Versuch, in Köln, wo Verwandte seiner Frau leben, bei denen er unterkommen kann, Zeichnungen aus Köln zu verkaufen. Das Wetter ist für Aquarelle ausgesprochen unglücklich, so daß es bei Tuschezeichnungen bleibt. Der wirtschaftliche Erfolg ist wie immer, die Ehre groß. Wegen des Ausstellungsverbotes, der "Entartung" und der Notwendigkeit, auf irgend eine Weise doch noch zu Geld zu kommen, um die Familie am Leben zu halten, meldet er sich schließlich freiwillig zum Heer, kommt nach Allenstein zu einem Kompagnieführer-Kursus, der aber damit endet, daß er aD geschrieben wird. Er hat sich unvorsichtigerweise laut darüber gefreut, daß Paris vor der Zerstörung verschont wurde und gilt damit als unzuverlässig im Sinne des dritten Reiches. Die Familie steht also wieder vor dem Nichts. In diesem Augenblick kommt eine Anfrage aus Freiburg von der Caritas-Lichtbild-Gesellschaft (Calig), ob er nicht für sie Illustrationen zur Weltliteratur machen wolle. Man hatte das Furchebuch (Tolstoi: Wo Liebe ist, da ist auch Gott) gesehen. Er nimmt an, und die Familie ist erst mal wieder gerettet. Nicht so bei dreien seiner Geschwister. Einer verliert seine Stelle, weil er "Heil Hitler" verweigert hatte, sein Zwillingsbruder gerät in eine Falle und kommt wegen defaitistischer Äußerungen zur Umerziehung und Läuterung ins Zuchthaus, seine Schwester wird ins KZ eingewiesen, wird aber noch am Tor von der einzigen jemals erlassenen Amnestie erwischt und darf nach Hause zurückkehren. Während der nachfolgenden Kriegsjahre hält sich die Familie bis 1943 durch die Mitarbeit der Frau und die Einnahmen aus der Illustrationsarbeit sowie durch Erträge aus dem Garten über Wasser. Dann kommt die Evakuierung. Die Kinder werden nach Stolp in Pommern verschickt, die Mutter geht mit. Für ihn gibt es neben einem Portraitauftrag nur sehr viel Gartenarbeit. Als der Herbst dem ein Ende setzt, fährt er nach Stolp, wohnt mit der Familie in zwei winzigen Mansarden und malt an der Ostsee und zunehmend Portraits. Als Soldat des 1. Krieges sieht er, was kommen wird und setzt sich rechtzeitig schon 1943 im Sommer mit der ganzen Familie nach Westen ab. Am letzten Kriegstag im Mai 1945 kurz nach Mittag treffen dann vier Werfergranaten (Durchmesser ca. 22 cm) das Haus, zerstören den vorderen Giebel und reißen ein Loch in der Mitte des Daches. Glücklicherweise war diese Granate ein sogenannter "Ausbläser"; denn die Familie saß direkt unter dem Einschlag. Zwei weitere fielen einige Meter vom Haus entfernt und richteten nur am Glas und den Fensterrahmen Schaden an. Wie hatte er doch immer gesagt: "Wenn ich doch durch die Bomben nur endlich ein Atelier bekäme..". Die eine Granate bewirkte es: die Zwischendecke hatte verhindert, daß die auf dem Bodenraum abgestellten Plastiken und Bilder Schaden nahmen. Die Bretter des Fußbodens müssen für eine notdürftige Dachdeckung herhalten, von irgendwoher kommt nach und nach eine Abdeckung, und der Grundstock für das Atelier ist geschaffen. "Hat also der Krieg doch noch etwas Gutes produziert", meinte er manchmal. Allerdings ist die Verarbeitung der Dachhaut und der Fenster nicht so gut, so daß es im Winter hereinschneit, aber auch Wind und Regen den Eintritt nicht direkt verweigert. Die Balken beginnen unter der Feuchtigkeit langsam aber sicher zu faulen und sind schließlich - 1970 - wie man so sagt "hinüber". "Nach Kriegsende", so schreibt er selber, "ging es für die Künstler sehr langsam wieder bergauf. Die Tradition war zerrissen, und man flickte sehr übereilt das Modernste, ohne daß es gewachsen war, an das, was man 1933 als fruchtbar angesehen hatte. In dem Prozeß sind wir heute noch" - das war irgendwann in den sechziger Jahren. "Wir versuchen krampfhaft durch Imitation fremder Entwicklungen zu beweisen, daß wir wirklich auch so modern sind wie die anderen. Warum eigentlich?" In einem Gespräch mit Emil Schumacher, der nach dem Krieg des öfteren kam, - dies müßte 1945 oder wahrscheinlicher 1946 gewesen sein -, zeigten sich die Unterschiede in der Beurteilung dessen, was kommen würde, und was man jetzt tun müßte, um wieder dazwischen zu kommen, deutlich. Theodor Brün riet zum ständigen Üben: "Zeichnen Sie, egal was, Bäume, Sträucher, Blumen, Menschen, Tiere..", Schumacher aber hatte andere Vorstellungen und unterlag zudem noch mehr dem Zwang, auf irgendeine Weise die Familie mit seiner Arbeit unterhalten zu müssen und ist den anderen Weg gegangen. Später, viel später, nahm ein anderer Maler, der ihn sehr schätzte, diese Mahnung auf. Es war Erwin Hegemann, der in seinen Malkursen diese Forderung immer wieder stellte: "Zeichnen Sie. Alles ist Zeichnen, ob mit der Feder, dem Pinsel, dem Quast oder dem Meißel." Bei ihm kam das Wort KUNST tatsächlich noch von "KÖNNEN" unter Ausschluß des Zufalls. Aber das war zu einer Zeit, als Theodor Brün längst tot war.
In diesen Jahren, also gewissermaßen erst nach 1948, seit es wieder Malmaterialien gibt, entstehen die Aquarelle, die unter "Typen" oder auch "Menschen und Situationen" subsumiert werden können, Portraits und Situationen, wie sie dem Gedächtnis entspringen in immer neuen Ansätzen. Sie bedürfen keiner Benennung, weil "jedes Bild aus sich heraus sprechen soll; kann es das nicht, stimmt etwas nicht." Und im Grunde kennt jeder Situationen, wie sie dargestellt sind, und die Unmittelbarkeit des Ausdrucks ist immer wieder bedrückend und erstaunlich, auch wenn man anfänglich meint, die Zeit sei wie bei Dornröschen mal eben für eine Weile stehengeblieben. In den Sommer- und Herbstmonaten liefert der Garten eine Fülle von Blumen, so daß es an Motiven nicht mangelt. Dazu steht die Hobelbank jetzt ständig zur Verfügung auf dem Boden-Atelier, und solange es von den Temperaturen her möglich ist, kann er dort an Plastiken arbeiten. 1946 - als er einen Eichenbalken von entsprechend geforderten Abmessungen bekommt - stellte er draußen in der "Laube" den "Lobgesang", der 1937 zerstört worden war, noch einmal her. Dieser zweite ist jetzt im Besitz der Karl-Ernst-Osthaus-Museum in Hagen. Bei der Arbeit an diesem Schnitzwerk ereignete sich die folgende Geschichte. Ein interessierter Besucher kommt in die Laube, sieht ein Weile zu und fragt dann: "Wie teuer wird das mal?" "Och, wenn man mir den Lohn für einen Gehilfen dafür gibt, bin ich zufrieden Ich arbeite jetzt seit mehreren Monaten rund 10 Stunden täglich daran.." "Zu teuer." 1952 verschwindet der "Handlager" aus einer Ausstellung, weiterhin erfährt man, daß so ziemlich alle Radierungen und auch eine Reihe anderer Graphik aus der Auslagerung des Museums "verschwunden" sind, später stellt sich heraus, daß auch ganze Reihen von den Zeichnungen und Aquarellen, Reihen, die für die Calig damals entworfen wurden, auf ebenso mysteriöse Weise nicht mehr auffindbar sind. Die Aufträge halten sich in Grenzen, aber man kommt über die Runden. Die letzte große Ausstellung, die zu seinem 90. Geburtstag, findet in Hamm statt, nicht in Hagen. Durch den Verkauf des elterlichen Hauses, durch Wiedergutmachungszahlungen und die Rente seiner Frau geht es erträglich zu. Ausstellungen gibt es, wenn auch nicht mehr so viele wie in den dreißiger Jahren, auch hat sich die Praxis für solche Ausstellungen gewandelt. Galerien und Banken treten immer häufiger an die Stelle von Museen, der Geschmack des großen Publikums orientiert sich an anderen Vorbildern, und der Geldsegen wird in andere Richtungen gelenkt. Die letzte große Eichenholzplastik mit der Bezeichnung "WIR" zeigt ihm schließlich, daß man im Alter von mehr als achtzig Jahren rein körperlich auch allmählich an Grenzen kommt, so daß danach nur noch Kleinplastiken entsehen. Hatte er kurz nach dem Krieg das Brennholz aus Eiche bei geeigneter Größe für Plastiken zweckentfremdet, so kann er jetzt auf Spenden von exotischen Hölzern durch Freunde zurückgreifen, so daß manche Kleinplastik der letzten Lebensjahr aus unbekanntem Holz gefertigt ist.
Theodor Brün stirbt an einem Herzinfarkt am 4. August 1981 im Alter von fast 96 Jahren. Es fehlten bis zu seinem Geburtstag am 18. September etwa sechs Wochen. Zu seinen Lebzeiten hat er in rund 100 Ausstellungen in Deutschland, Italien und Oesterreich ausgestellt oder mit-ausgestellt; zu Achenbach, Gert Arntz, Paul Fechter, Lis Goebel, Große Perdekamp, Lotte Schrenk, Kätelhöns, Otto Coester, Kuhmichel, Will Lammert, Lewy, Karel Niestrath, Grete Penner, Albert Reich, Christian Rohlfs, Schmurr, Eberhard Viegener, Karl Vogt - um nur einige seiner Zeitgenossen zu nennen, hatte er freundschaftliche Beziehungen, von seinen Werken sind zahlreiche in Museen zu finden - und im Künstlerlexikon ist er nur mit dem, was bis 1939 bekannt war, und einseitig bekannt gegeben war, zu finden. Von seinen über 100 bekannten Holzplastiken befinden sich viele in Museen und Privatsammlungen, einige an unbekanntem Ort. |
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