![]() |
|
|
|
Tuschezeichnungen
Ein Fläschchen Tusche mit einem Federhalter und Feder oder ein Bleistift mit einem Taschenmesser nebst irgendeinem Block waren leicht zu transportieren und daher gewöhnlich in einer seiner Taschen. Sobald es sich ergab, hielt er eine Begebenheit mit wenigen Strichen fest (Wartesaal, Café, Familie, Landschaft).
Die Skizzen konnten je nach Situation auch fertig ausgeführt werden. Das hing davon ab, ob es sich um Menschen und Tiere handelte oder um Landschaft, die längere Zeit unverändert blieb. Die Zeichnungen aus dem 1. Weltkrieg: Kameraden beim Spiel, beim Briefschreiben, auf Wache etc. – dann aber auch Häuser, Gehöfte, Kinder und ihre Mütter, Marktszenen – Alltäglichkeiten – zeigen einen Querschnitt aus dem Leben an der Front und vor allem den menschlichen Aspekt, der aber auch gar nichts Kriegerisches beinhaltete (Soldaten mit französischen Kindern auf dem Arm, im Gespräch mit Einheimischen, dann wieder Zeichnungen der fortschreitenden Verwüstung - ohne Sinn und Verstand.) Alle Zeichnungen aber zeigen etwas, was absolut nichts mit dem Krieg zu tun hat: Natur, auch mißhandelte, Menschen im täglichen Leben, Gemeinsamkeiten von Freund und Feind – im Grunde mit einer hilflosen Geste wegen des Unheils, was über alle hereingebrochen war. Inwieweit das Bewußtsein, daß seine eigenen Vorfahren
Franzosen waren, dabei auch noch erschwerend mitgesprochen haben mag, läßt sich nicht mehr nachvollziehen. Er sprach nie drüber, genausowenig wie er über das sprach, was ihm als Soldat widerfuhr, es sei denn bei Ungehorsam von Untergebenen, die dadurch den Tod fanden.
Die Portraitzeichnungen von Kameraden wurden ausnahmslos im Unterstand angefertigt unter unbeschreiblichen Umständen – vor allem der Beleuchtung.
Tusche war ein bevorzugtes Zeichenmittel, weil sich mit ihr tiefe Schatten erzeugen ließen, andererseits die Strichführung genauer und klarer war als die des Bleistifts. Grautöne dagegen ließen sich wieder weit besser mit Bleistift erzeugen, weswegen viele Bleistiftzeichnungen später noch mit Tusche nachbearbeitet wurden, wenn die Bleistiftstriche verblaßt aber die Grautöne noch vorhanden waren. Völlig anders als mit der Feder war die Arbeit mit dem Pinsel. Die Pinselzeichnungen waren in gewisser Weise das genaue Gegenteil der Tusch-Federzeichnung: Sie leben von den Grauschattierungen, und wurden daher von ihm für Illustrationen bevorzugt. Pinselzeichnungen sind in etwa Aquarelle nur mit Grautönen, und unterliegen denselben Einschränkungen wie die Arbeit mit Aquarellfarben (Transport, Wasserbehälter etc.). |
![]() |
| © 2012 saltation. | |